22.11.2019

Grenzen des Leidens

Ort: Berlin
Beginn: 22.11.2019 14:00
Ende: 23.11.2019 13:00

Für Psychiatrie und Psychoanalyse, aber auch für wichtige Bereiche der Philosophie ist der Begriff des Leidens ebenso zentral wie problematisch. Wo verläuft die Grenze zwischen psychischem Leiden als nicht-pathologischer Alltagserfahrung, als Symptom einer klinisch relevanten individuellen Erkrankung und als gesellschaftlich bedingtes Phänomen sozialer Pathologien? Die Schwierigkeit, Erfahrungen des Leidens zu beschreiben und begrifflich einzufangen, besteht darin, dass das Begriffslose zum Begriff des Leidens wesentlich dazugehört: Es gibt kein Leiden, das nicht in der Erfahrung von Sprachlosigkeit gründete. Dies scheint eine triviale Feststellung zu sein, wenn man sie so versteht, dass Leiden eine Erfahrung ist, die immer erst nachträglich artikuliert und angeeignet werden kann. Dagegen spricht die Sprachlosigkeit des Leidens selbst: Leiden lässt sich gerade nicht begrifflich auf Distanz bringen. Für das Subjekt steht Leiden mithin für das schlechthin Unbegriffene: Die Grenze des Leidens ist seine sprachlich-begriffliche Bestimmung, sein „Beredt-werden-Lassen“ (Adorno).

Auf Einladung der Gesellschaft für Philosophie und Wissenschaften der Psyche diskutieren Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven sowohl bisherige theoretische Deutungsversuche als auch praktisch-therapeutische Bewältigungsversuche der Grenze und Grenzerfahrung des Leidens.

Dateien:
1571561601-72.pdf323 Ki
Veranstaltung melden
Stellenausschreibung melden