20.11.2014

Weisen der Evidenzerzeugung – Philosophisches Kolloquium Hildesheim, WS 2014/15

Donnerstag, 18 Uhr, Hörsaal 2, Universität Hildesheim 23. Oktober 2014 – 5. Februar 2015


Evident ist eine Aussage, an deren Wahrheit ich nicht zweifeln kann, d.h. eine Aussage, deren Wahrheit sich so unmittelbar zeigt und die so unvermeidlich einleuchtet, dass ich nicht fähig bin, sie ernsthaft in Frage zu stellen. Das Prädikat der Evidenz betrifft den Status der Wahrheit des jeweils Ausgesagten. Wenn etwas als evident wahrgenommen wird, dann impliziert das die entsprechende Gewissheit der Wahrheit im Bewusstsein. Umgekehrt gilt aber nicht, dass ich alles, was mir gewiss ist, für evident halte. Gewissheiten einerseits und Evidenzen andererseits sind auch heute noch Ausgangs- und Zielpunkte unserer Wahrheitssuche in den Wissenschaften, wenn auch nicht mehr vor dem Hintergrund einer Cartesischen Einheitswissenschaft, sondern unter dem englischen Namen »evidence« im Rahmen empirischer Forschungswissenschaften.

Doch wie finden und wie bestimmen wir Evidenzen? Wie erzeugen wir Evidenzen und wie teilen wir sie mit? Offensichtlich wird die Evidenz einer Aussage auf verschiedenen Wegen, in verschiedenen Darstellungsformen generiert. Dabei erweist sich Evidenz, was ihre Gegenstände betrifft, als irreduzibel vielgestaltig. Unabsehbar viele Aussagen treten als Kandidaten für das Prädikat der Evidenz in Erscheinung. Evidenzen sind immer historisch, immer kontextuell, immer durch anderes Denken vermittelt.

Die Vortragsreihe des Philosophischen Kolloquiums stellt den ReferentInnen die Aufgabe, in unterschiedlichen Feldern des Denkens exemplarisch zu zeigen, dass und auf welchen Wegen und in welchen Formen Evidenz erzeugt worden ist, folglich erzeugt werden kann, und wie diese Weisen, Evidenz zu erzeugen, unser jeweiliges Welt-, Selbst- und Fremdverhältnis leiten, gestalten und modifizieren.

Programm

23. Oktober
Tilman Borsche: Begriffe sehen. Notizen zur Geschichte der Evidenz

30. Oktober
Werner Greve: Evidenz: Gefühl oder Gewissheit?

6. November
Katharina Hacker: Poetische Evidenz

13. November
Michael Berg: Wahrheit und Evidenz in der Rechtsprechung

20. November
Rolf Elberfeld: Evidenz und Aufmerksamkeit

27. November
Guido Bausenhart: Das gewisse Gewissen

4. Dezember
Christian Strub: »Schau doch hin!«: Evidenz in einer Lebensform

11. Dezember
David Lauer: Die Evidenz des Anderen

18. Dezember
Bernhard Waldenfels: Evidenzentstehung: Was uns auffällt und einfällt

8. Januar
Anna Berres: Ist Freiheit evident? Kants »Faktum der Vernunft«

15. Januar
Andreas Hetzel: »Charis trägt Geltung auf«. Evidenzerzeugung in der klassischen Rhetorik

22. Januar
Lars Leeten: Enárgeia oder Der Stier des Ariston. Evidenzerzeugung in der hellenistischen Philosophie

29. Januar
Susann Kabisch: Inszenierte Wahrheit

5. Februar
Tilman Borsche: Abschiedsvorlesung


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